Facetten des Ichs

Facetten des Ichs

Heute habe ich einen Artikel in der aktuellen ZEIT WISSEN, Ausgabe Juni/Juli 2015, gelesen. Titel: „Ich bin viele, na und!“. Kernaussage:

„Entdecke dein wahres Ich!“, heißt es immer. Aber was, wenn es davon mehrere gibt? Dann muss man mit ihnen reden.

Unter anderem wurden hier einige gute Zitate zusammengetragen, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

 

Honoré De Balzac:

So bin ich nun mal, meine Treue, in diesem Mann von Ein-Meter-Fünfundsechzig sind alle möglichen Mängel und Widersprüche der  menschlichen Natur enthalten. Da gibt es Menschen, die mich für verschwenderisch, eitel, starrköpfig und oberflächlich halten … faul und träge … selbst für charakterlos. Sie haben alle durchaus Recht, genau wie alle anderen, die der Meinung sind, ich sei bescheiden, engagiert, ausdauernd, höflich, immer lustig. Ich kann von mir nicht mehr überrascht sein, und anderen sollte es, was mich betrifft, genauso gehen.

 

Heraklit:

Bei einem Fluss ist es nicht möglich, zweimal hineinzusteigen in denselben, auch nicht ein sterbliches Wesen zweimal zu berühren und zu fassen im gleichen Zustand; es zerfließt, und wieder strömt es zusammen und kommt her und geht fort.

 

Plato:

Denn auch von jedem einzelnen Lebewesen sagt man, es lebe und sei dasselbe, wie man von frühester Kindheit an bis ins Greisenalter jemanden als denselben bezeichnet. Dieser nun, der niemals dasselbe an sich hat, wird dennoch derselbe genannt. Tatsächlich wird er fortwährend ein Neuer, und das Alte verliert er – Haare, Fleisch, Knochen, Blut, kurz den ganzen Körper. Und das gilt nicht nur in Bezug auf den Körper, sondern in Bezug auf die Seele: Die Gewohnheiten, der Charakter, Meinungen, Begierden, Lüste, Sorgen, Ängste – von diesem bleibt nie etwas in jedem sich gleich, sondern das eine entsteht, das andere vergeht.

 

Selbstgespräch von Truman Capote:

TC:
Ich bin noch kein Heiliger.
Ich bin Alkoholiker.
Ich bin rauschgiftsüchtig.
Ich bin homosexuell.
Natürlich brauchen mich diese zweifelhaften Dinge nicht daran zu hindern, ein Heiliger zu sein.

TC:
… Wir sollten versuchen ’ne Mütze voll Schlaf zu kriegen …

TC:
Gute Nacht.

TC:
Gute Nacht.

TC:
Ich liebe Dich.

TC:
Ich liebe Dich auch.

TC:
Das solltest Du auch. Denn wenn man es recht bedenkt, hat jeder von uns doch nur den anderen.

TC:
Du vergisst etwas. Wir haben auch Gott.

TC:
Ja. Wir haben Gott.

TC:
Zzzzzz.

TC:
Zzzzzz.

TC & TC:
Zzzzzzzzz.

 

Günter Grass:

Ich, ausgetauscht gegen mich, bin Jahr für Jahr dabei gewesen …

 

Max Frisch:

Ich ging. Ich ging in Richtung einer Sehnsucht, die weiter nicht nennenswert ist, da sie doch, wir wissen es und lächeln, alljährlich wiederkommt, eine Sache der Jahreszeit, ein märzliches Heimweh nach neuen Menschen, denen man selber noch einmal neu wäre, so, dass es sich auf eine wohlige Weise lohnte, zu reden, zu denken über viele Dinge, ja, sich zu begeistern, Heimweh nach ersten langen Gesprächen mit einer fremden Frau. Oh, so hinaus zu wandern in die Nacht, um keine Grenze bekümmert! Wir werden schon keine, die uns liegt, überspringen.

 

Deshalb mein Appell an euch: Begrüßt jede einzelne eurer Facetten mit einem freundlichen „Hallo, du bist auch wieder da!?“, denn diese Facetten machen euch zu dem einzigartigen Menschen, der ihr seid.

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