Once You Go Black …

Once You Go Black …

Heute soll es endlich um eine meiner vielen neuen Leidenschaften gehen: den puren Genuss von Kaffee – ohne Zucker, ohne Milch, eben schwarz 😉

Wohingegen sich früher bei mir auch nur bei dem Gedanken an Kaffee oder gar schwarzen Kaffee die Fußnägel hochgerollt haben, kann ich heute nur schwerlich OHNE leben. Deshalb hier ein kurzer Exkurs in meine Kaffee-Geschichte gefolgt von einer klaren Empfehlung für meine Lieblings-Zubereitungsmethode, ein paar ganz besondere Bohnen und natürlich den Röster meines Vertrauens, dessen neues Shipyard Coffee Project ihr euch dringend mal anschauen solltet!

Vom Ekel bis zum Hochgenuss – meine Kaffee-Odyssee

Bis zu meinem 22. Lebensjahr konnte ich mit Kaffee recht wenig anfangen. Als Kind und Jugendlicher hatte ich ab und an mal probiert und mich geschüttelt vor Ekel. Anscheinend mussten sich meine Geschmacksnerven erst mal bis zu einem bestimmten Punkt entwickeln. Dieser Punkt war während meines ersten Praktikums beim SPIEGEL 2012 erreicht gewesen, als mein Kollege Markus dauernd vom „besten Büro-Kaffee der Stadt“ geschwärmt hatte. Einem ganz besonders heftigen Nachmittags-Tief sei Dank, überredete mich Markus schließlich zu einem Espresso – einem Doppelten, um genau zu sein. WOW! Energie-Flash! Herzrasen! Ich glaube, Markus hat das schlussendlich bereut – mein Herz war so am Flattern gewesen, dass er sich eine Stunde lang mein ununterbrochenes Geplapper anhören musste.

Der Effekt hatte mir imponiert, gleichzeitig hatte ich großen Respekt davor bekommen. Ich ließ den Doppelten Espresso also erstmal den Hartgesottenen und informierte mich über die „richtige Menge“ Koffein am Tag. Hier schienen 3-4 Tassen, also ca. 400 mg Koffein, gar kein Problem zu sein und sogar gesundheitsfördernde Wirkung zu haben. Koffein weckt die Lebensgeister und hilft, Leistungstiefs zu überwinden. Es bremst den Müdigkeit auslösenden körpereigenen Botenstoff Adenosin und verbessert die Konzentration. Dieser Effekt tritt ca. 15 bis 30 Minuten nach dem Konsum ein. Fortan trank ich also fleißig meine Tassen Kaffee am Tag – meistens gezuckert oder mit Milch, da mir der Geschmack immer noch nicht geheuer gewesen ist – als Latte Macchiato, Cappuccino oder in sonstigen Variationen.

Ein paar Jahre später, Ende 2014, lernte ich meine Freundin Ulli und ihren Freund Julian kennen, der Barista ist. Ich bekam ziemlich schnell zu hören, was für ein Kaffee-Banause ich doch war! Zu sagen, ich würde Kaffee mögen, und mich dabei ausschließlich auf Büro- oder Supermarkt-Kaffee mit Zucker und/oder Milch zu beziehen, war wohl ziemlich kurz gegriffen. Mir war anscheinend eine komplette Genusswelt verborgen geblieben und nach einer einzigen „korrekt“ zubereiten Tasse Kaffee ohne Zucker oder Milch, war ich überzeugt gewesen: Ich wollte meinen Horizont auf diesem Gebiet erweitern!

Dabei half mir vor allem Das Kaffee-Buch aus dem DK-Verlag. Ich verschlang das Buch an nur einem Tag. Besonders eindrucksvoll fand ich das Kapitel über die Geschmacksbewertung von Kaffee und das sogenannte Aromarad, das ihr hier seht:

So viel steckt einer Bohne? Mit etwas Übung schon :-)

Ein Hauch Barista-Wissen

Außerdem lernte ich hier alles mögliche über die verschiedenen Sorten und Anbaugebiete, fand umfangreiches Barista-Wissen und Rezepte aus aller Welt. Im Folgenden habe ich für euch meine wichtigsten Erkenntnisse aus dem Buch zusammengefasst:

  • Arten und Sorten

    Die zwei kommerziell vertriebenen Arten Kaffee sind Arabica und Robusta. Robusta lässt sich leichter anbauen und ist deshalb billiger – hervorragende Sorten gibt es aber nur sehr selten. Qualitativ hochwertiger werden Arabica-Sorten eingestuft, deshalb findet sich oft der Aufdruck „100% Arabica“.
  • Qualitätsmerkmale

    Im Idealfall sind auf der Packung Infos über Region, Sorte, Aufbereitungsmethode und Geschmack zu finden. Nur durch kundigen Anbau, professionelle Aufbereitung, Sorgfalt beim Transport und Berücksichtigung der Eigenarten der Bohne beim Rösten, können feinste Nuancen des Kaffees hervorgebracht werden. Bei industriell hergestelltem Kaffee, wie er in Supermärkten zu finden ist, sind viele dieser Kriterien nicht erfüllt. Ein ausgesuchter Kaffeehändler ist deshalb in jedem Fall zu empfehlen. Mein Röster und Händler des Vertrauens ist mittlerweile natürlich Julian, der sich mit dem Shipyard Coffee Project kürzlich selbständig gemacht hat und ansonsten beim Bell & Beans in Lüneburg seine Barista-Künste zum Besten gibt.
  • Frische

    Kaffee ist ein Frischeprodukt. Aus diesem Grund sind frisch geröstete Bohnen zu empfehlen, die in einer Schutzverpackung mit Aromaventil erworben werden. Frischer Kaffee gast CO2 aus, welches durch das Ventil austritt, ohne dass Sauerstoff eindringt, durch den das Aroma schnell verfliegen würde.
  • Selbst mahlen

    Sobald Kaffeebohnen gemahlen wurden, verlieren sie ebenfalls schnell an Aroma. Deshalb sollte man seine Bohnen ganz beziehen und sie vor dem Genuss selbst mahlen – je nach Zubereitungsart mit einem anderen Mahlgrad. Mit einer entsprechenden Kaffeemühle klappt das sehr schnell und einfach!
  • Wasser-Qualität

    Kaffee besteht zu 98 Prozent aus Wasser, die Qualität des Wassers hat also einen entscheidenden Einfluss auf den Geschmack. Am besten investiert man in einen Wasserfilter, wie z. B. die Wasserkannen von Brita. So erhält man Wasser mit gleichbleibender, guter Qualität, durch die der volle Geschmack der Bohne zum Tragen kommt.

In dem Buch fanden sich noch viele weitere Infos und Rezepte, von denen ich euch in Zukunft Ausgewählte vorstellen werde. Den Anfang soll mein Alltags-Rezept für eine gelungene Tasse Filterkaffee am Morgen machen.

So kommt ihr in den Genuss des unverfälschten Kaffee-Geschmacks:

1. Auswahl der richtigen Bohne: Ich genieße gerade Julians Papakuchi-Röstung, Bohnen von Pavan Nanjappa, der im indischen Coorg zusammen mit seiner Familie eine Plantage besitzt. Geschmacklich finden sich Haselnuss, Milchschokolade und Süßholz wieder. Die Säure würde ich als knackig bezeichnen, die Textur als geschmeidig und den Abgang als weich. Achtet einfach auf die oben genannten Qualitätsmerkmale und entscheidet dann nach euerm Geschmack.

2. Auswahl der richtigen Menge: Es empfiehlt sich für eine Tasse Filterkaffee auf 200 ml Wasser 12 g Bohnen zu verwenden. Auf 500 ml, was meiner Tagesration entspricht, dementsprechend 30 g des schwarzen Goldes.

3. Auswahl des richtigen Mahlgrads und Wassers: Für Filterkaffee sollte mittelfein gemahlenes Kaffeemehl verwendet werden. Nach langer Recherche entschied ich mich für die Kaffeemühle der Skyline von WMF. Gefiltertes Wasser bekommt man mit Hilfe der Filterkannen von Brita.

4. Auswahl der richtigen Zubereitung: Für die Zubereitung von Filterkaffee eignen sich Papier- und Stofffilter oder eine einfache Kaffeemaschine. Letztere habe ich mir von Melitta zugelegt und sie liefert wunderbare Ergebnisse. Das gefilterte, kalkarme Wasser verlängert ihre Lebenszeit zudem ungemein!

5. Für die ganz Peniblen: Kanne und Tasse sollten vorgewärmt werden, da frisch gebrühter Kaffee in Kontakt mit kalten Oberflächen an Qualität einbüßt.

Und nun hoffe ich, dass ihr euren Kaffee in Zukunft etwas bewusster genießt und mit der Zeit die unendlich vielen Nuancen entdeckt, die ein Kaffee ohne Zucker und Milch, auf Basis hochwertiger, frisch gemahlener Bohnen und in gefiltertem Wasser offenbart.

P.S.: Natürlich möchte ich hier keinesfalls die fantastischen Kaffee-Variationen verteufeln, die sich mit Hilfe von Milch, Zucker, Sahne, Sirupen, verschiedensten Aromen oder auch alkoholischen Zugaben kreieren lassen. All dies können köstliche Heiß- oder Kaltgetränke sein – besonders faszinierend fand ich den sog. Eierkaffee, bei dem ein rohes Ei zusammen mit dem Kaffee aufgekocht wird, welches die sauren und bitteren Geschmacksstoffe perfekt bindet. Ich mahne nur zu ein bisschen mehr Achtsamkeit beim Kauf der Bohnen, ihrer Zubereitung und schließlich beim Genuss, den wir alle so sehr lieben 😉

Darüber freuen sich dann nicht nur Julian und ich, sondern schlussendlich auch die Bauern und Erntehelfer, die echte Knochenarbeit für unseren Luxus leisten. Freude, die bei Pavan Nanjappa in Indien dann so aussieht:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.